Die BOVAG hält das Auto für die Melkkuh des Staates, will aber nichts dagegen tun….?

Mir fiel die Kinnlade herunter. Unsere neue Vorsitzende der BOVAG saß am Sonntagmorgen bei WNL. Ihre Botschaft? “Nein, eine Mineralölsteuersenkung ist wirklich nicht nötig. Nein, gebt lieber gezielte Unterstützung. Denn eine Mineralölsteuersenkung von 10 Cent kostet den Staat mal eben eine Milliarde Euro, und das geht in dieser Zeit nicht!”

Für wen sind wir da?

Wie bitte? In wessen Namen sprechen wir hier eigentlich? Für den Staat, oder für das fahrende Holland, das jeden Glücksfall gebrauchen kann? Man stelle sich vor, man ist BOVAG-Mitglied mit einer Tankstelle im Grenzgebiet, während die eigene Vorsitzende so etwas sagt, weil das Geld für den Staat wichtiger ist als das Fortbestehen des eigenen Unternehmens und die Interessen der eigenen Kunden. Denn der Unterschied ist offenbar zu groß, findet die BOVAG anscheinend, also geben wir auf.

Es sollte die BOVAG und uns überhaupt nicht interessieren, ob eine Mineralölsteuersenkung eine Milliarde kostet, und schon gar nicht, wie der Staat das angeblich bezahlen müsste. Schlimmer noch: Ich höre keinen einzigen Journalisten fragen: “Aber Moment mal, profitiert der Staat bei diesen hohen Kraftstoffpreisen nicht gerade zusätzlich von höheren Mineralölsteuereinnahmen und zusätzlichen Mehrwertsteuereinnahmen? Wieso kostet eine vorübergehende Mineralölsteuersenkung dann eine Milliarde? Weil vereinbart wurde, dass Glücksfälle in einem anderen Topf landen und dass eine ‘Senkung’ anderswo bezahlt werden muss? Lassen wir deshalb den Autofahrer einfach im Regen stehen, während in nahezu allen Ländern um uns herum sehr wohl eine helfende Hand gereicht wird?

Ich verstehe es nicht!

Wirklich, ich verstehe überhaupt nichts davon. Wie zahm wir geworden sind, wie schlecht wir im Lobbyieren sind, und dass wir als BOVAG heutzutage vor allem ein Gesprächspartner sein wollen für einen Staat, der sich Mal um Mal als unzuverlässig erweist. Warum stehen wir nicht einfach für etwas ein und bleiben dabei, auch wenn der Staat uns darin nicht recht gibt? Denn was hat uns diese Lobbyarbeit in den vergangenen Jahren eigentlich gebracht? Jedenfalls keine konsistente Politik, keine klare Vision zu Mobilität und Steuern, außer dass es immer mehr sein muss.

Ich bin da deutlich: Der Staat muss selbst sparen und den Mut haben, Entscheidungen zu treffen, statt nur Glücksfälle zu akzeptieren und den sogenannten Rückschlag, wie diese Mineralölsteuersenkung von lediglich 10 Cent, als ein riesiges und unüberwindbares Hindernis abzutun. Und das tun sie auch noch auf eine Weise, dass sich sogar unser Branchenverband nicht für diese Senkung einsetzen will. Es ist zu lächerlich, um es in Worte zu fassen.

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