
Ein Ringen mit mir selbst
11 juni 2026, PaulDiese Woche hatte ich Geburtstag. Wenn man die 54 antippt, ist das kein Anlass für ein großes Fest. Andererseits darf ich mich auch einen glücklichen Menschen nennen: Ich bin gesund, habe eine schöne Familie, gute Freunde, und als Unternehmer mache ich meist Dinge, die mir Energie geben…
An meinem fünfzigsten Geburtstag begann ich ein neues Abenteuer: den Ligier Store Doesburg. Angetrieben von Ehrgeiz, Ego und dem Drang zu zeigen, dass ich es noch immer kann: ein Händlerunternehmen führen. Vier Jahre später, jetzt, da ich Bilanz ziehe, weiß ich eigentlich nicht, ob ich noch froh damit bin oder nicht.
Leichtkraftfahrzeuge
Sehen Sie, Leichtkraftfahrzeuge zu verkaufen ist ganz anders, als Autos zu verkaufen. Sie ähneln einander, sind aber in vielen Bereichen eben doch anders. Man kann auch ein Roller- oder Fahrradgeschäft nicht mit einem Autobetrieb vergleichen, und einen Leichtkraftfahrzeug-Händler somit ebenso wenig. Alles, von dem ich dachte, dass es funktionieren würde, kam anders. Natürlich waren wir recht schnell erfolgreich und sind noch immer ein Top-5-Händler. Aber die Nummer 1 werden? Nein, das ist nicht gelungen.

Mit und ohne Werkstatt
Ein Unternehmen ohne Mechaniker zu führen, erweist sich sicherlich in der Anfangsphase als schwierig. Zum Glück war Gerard Franken technisch sehr stark und während des Aufbaus des Ligier Store Doesburg – Experience Center entscheidend. Dadurch konnten wir die Kosten lange Zeit niedrig halten. Später kamen ein Mechaniker und eine eigene Werkstatt hinzu, und alles schien in die richtige Richtung zu laufen. Nur nahmen auch die Kosten immer weiter zu. Ich hätte nie gedacht, dass ein Autobetrieb so viele Rechnungen pro Monat ansammeln kann…… naiv, wie ich war.
Danach kam der nächste Schritt: die Eröffnung des Experience Store Doesburg. Ein universeller Autobetrieb im selben Gebäude – getrennt durch eine Pendeltür – mit ausschließlich Lynk & Co-Gebrauchtwagen. Ich dachte damals wirklich, dass dies dem Unternehmen einen Schub geben würde. Mehr Verkäufe, mehr Umsatz, und das traf auch ein, unter anderem dank der Hilfe von Frank Moormann!
Wo ich zuerst ein Viertel des Gebäudes mietete, kaufte ich schließlich das ganze Gebäude. Dadurch bekam ich die Verfügung über alle vier Einheiten: eine für Ligier, eine für Lynk & Co, eine für die Werkstatt und eine als Fotostudio und Auslieferungsraum.
Die Konversion von Lead zu Verkauf beträgt 22,7 %
Konversion war mein wichtigster Fokus. Denn als Autobetrieb gewinnt man letztlich offline, aber das gelingt nur, wenn man zuerst online gewinnt. Beim Experience Store betrug die Konversion von Lead zu Verkauf im Jahr 2025 sage und schreibe 22,7 %, gemessen über alle Quellen. Darauf bin ich stolz. Bei Ligier liegt das anders, aber auf der Konversionsseite läuft es bestens. Nur bleibt der Gewinn aus. Und letztlich ist es genau das, worum sich das Spiel dreht.
Gewinn
Gewinn ist notwendig. Ich kann nicht unbegrenzt Geld aus der Holding investieren, um Doesburg am Laufen zu halten. Wir müssen uns weiter anpassen. Bei jedem Unternehmen kann man nur bis zu einem bestimmten Punkt sparen. Letztlich hat man eine feste Kostenbasis. Bei uns liegt diese bei rund 30.000 € pro Monat, also 360.000 € pro Jahr.
Mit reinem Verkauf und einer durchschnittlichen Marge von 1.500 € pro Auto bedeutet das, dass ich etwa 240 Autos pro Jahr verkaufen muss, nur um die Kosten wieder hereinzuholen. Das sind 20 Autos pro Monat. Diese Zahl ist mit einem Verkäufer kaum zu erreichen, wenn er daneben auch noch allerlei andere Tätigkeiten erledigen muss, die zum Führen eines Autobetriebs gehören. Deshalb habe ich erneut einen zweiten Verkäufer eingestellt. Das Ziel ist, in Richtung 30 Autos pro Monat zu gehen.
Entscheidung
Aber letztlich muss ich selbst eine Entscheidung treffen. Wann wird Doesburg zu etwas, worüber ich mich freue? Und wann ist es eine Last? Auch für die anderen Unternehmen, deren Eigentümer ich bin und die ebenfalls Aufmerksamkeit, Zeit und Investitionen verdienen.
Bei #DCDW – Digital Car Dealer Workshop – de online automotive beter maken! und CARMEN Automotive BDC steht demnächst ein enormes Projekt an. Ein Projekt, das ungeheuer viel von meiner Zeit fordern wird. Etwas, mit dem wir vom Umfang her vielleicht das Zwanzigfache von Doesburg machen. Ich bleibe bewusst noch etwas vage, weil das sein muss. Aber vielleicht ist das genau der Moment, in dem ich sagen werde: Ich mache etwas anderes.
Aber aufgeben ist schwer. Also ringe ich damit. Was ist klug? Aufhören? Voll auf Gebrauchtwagen setzen? Oder gerade herunterskalieren und nur noch Ligier machen? Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, mein Ego beiseiteschiebe und akzeptiere, dass es auch Dinge gibt, die ich aus der Ferne nicht gut steuern kann, dann habe ich meine Wahl eigentlich schon getroffen. Nur muss ich mich noch trauen, meine Entscheidung umzusetzen.




